Die Entstehung des Weihnachtsbaums   23.12.2015 11:08

Die Entstehung des Weihnachtsbaums
veröffentlicht am 23.12.2015 11:08 in Meinungen & Gedanken, verwendete Tags: DENQBAR Winter

Wie schnell doch die Zeit vergeht- Es könnte erst gestern gewesen sein, als wir die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet haben. Und plötzlich ist Heilig Abend nur noch eine Nacht von uns entfernt. Der schön geschmückte Christbaum taucht jede Wohnung in ein weihnachtliches Wunderland und ist aus unserer heutigen Tradition gar nicht mehr wegzudenken. Die Deutschen stellen sich Jahr für Jahr mehr als insgesamt 25 Millionen Nadelbäume zum Fest der Liebe in ihre vier Wände. Doch kaum jemand weiß etwas über die Herkunft dieser grünen Zimmerdekoration.

geschmückter Cristbaum mit Kugeln und Deko

Die Geschichte des Weihnachtsbaumes steckt voller Mythen und Spekulationen. Stammt er von heidnischen Traditionen der Germanen ab oder bringt er die christliche Glaubensüberzeugung zum Ausdruck? Bei unseren Recherchen sind wir auf unterschiedliche Ursprünge gestoßen, wahr ist aber, der Weihnachtsbaum verbreitete sich wohl zuerst in Deutschland.

Für die meisten wird unser Tannenbaum als ein ursprünglich heidnisches Sinnbild gehalten, welches von den Christen übernommen wurde. Doch das Ganze ist viel verzwickter als man denkt, da leider zu den Anfängen des Christbaumes nicht viel dokumentiert wurde. Die Verwendung eines geschmückten Baumes hat also keinen nachweisbaren historischen Anfang, sondern entstammt aus dem Ursprung von verschiedenen Bräuchen, der unterschiedlichen Kulturen. Immergrüne Pflanzen waren ein Symbol für Lebenskraft und deshalb glaubten früher die Menschen, sich Gesundheit ins Haus zu holen, indem sie ihre Zimmer mit Grünem dekorierten.

 

Römische Antike

Die Römer schmückten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen. Außerdem ehrte man den Sonnengott Mithra, indem man zur Sonnenwende einen Baum schmückte. Auch in deren nördlichen Gegenden wurden im Winter schon früh Tannenzweige ins Haus gehängt, um den bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren. Gleichzeitig galt Grün als die Farbe der Hoffnung und der Wiederkehr des Frühlings.

 

Mittelalter

Im Mittelalter existierte vielerorts bereits ein Kult, ganze Bäume an öffentlichen Festlichkeiten zu schmücken wie zum Beispiel den Mai- oder Richtbaum. An Weihnachten wurden zu dieser Zeit in der Kirche die Paradiesspiele aufgeführt, weil der 24. Dezember damals als Gedenktag Adams und Evas galt. Zu diesem Ereignis wurde ein Baum, welcher durchaus ein Laubbaum sein konnte, mit Äpfeln behangen. Der Apfel war als Zeichen für die verbotene Frucht am Baum der Erkenntnis gedacht und sollte an die Befreiung des Menschen von der Erbsünde durch Jesus Christus erinnern. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Weihnachtsbaum in Norddeutschland mit Adam und Eva samt Schlange aus Holz oder Gebäck verziert.

Geschmückter Laubbaum mit Bändern

Ob nun wirklich die erste urkundliche Erwähnung eines Christbaumes aus dem Jahre 1419 stammt, kann nicht eindeutig durch Dokumente bestätigt werden. Die Bäckerzunft in Freiburg soll nach dieser Aussage einen Baum mit allerlei Süßigkeiten, Früchten und Nüssen behangen haben, den die Kinder im neuen Jahr plündern durften.

 

Neuzeit

Cristbaum mit Kerzen geschmückt

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden gegen Ende der Weihnachtszeit von den Schwarzhäuptern (Vereinigung Norddeutscher Kaufleute in den baltischen Städten), Tannenbäume auf den Markt getragen, geschmückt und zum Schluss verbrannt.

Von 1521 existiert ein Eintrag in einem Rechnungsbuch der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt, dass der Förster 4 Schillinge bekommen soll, damit er am „Thomastag“ dem 21. Dezember die Bäume bewacht. 

Die älteste schriftliche Erwähnung von „die weiennacht baum“ aus dem Jahre 1527 stammt aus einer Akte der Mainzer Herrscher im Hübnerwald in Stockstadt am Main. Bereits 1539 gab es den nächsten urkundlichen Beleg, dass im Straßburger Münster ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Die Zünfte und Vereine brachten schließlich die immergrünen Bäumchen in unsere Häuser.  In einer Lohnabrechnung der Stadt Gengenbach von 1576 wird beschrieben, dass der Förster einen Weihnachtsbaum in die Ratsstuben gebracht habe.

Die ersten Aufzeichnungen, dass der Christbaum mittlerweile Bestandteil einer Tradition geworden war, stammen aus dem Jahre 1605, wiedermal aus dem Elsass. Zu Weihnachten schmückte man dort die Tannenbäume in den Stuben mit gebastelten Rosen aus Papier, Äpfeln, Oblaten, Zischgold (dünne, geformte Flitterplättchen aus Metall) und Zucker. Der erste Baum mit Kerzen erstrahlte dank Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien, 1611 im besonderen Licht. Doch der Weihnachtsbaum wurde nicht von allen geliebt und akzeptiert. Der Prediger Johann Conrad Dannhauer verfasste zwischen 1642 und 1646 ein Schriftstück, wo er sich gegen diesen doch so lapidaren und kindischen Brauch äußerte.      

 

Die Verbreitung des Brauches

Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts häuften sich die Nachrichten über den Weihnachtsbaum. Johann Heinrich Jung-Stilling welcher 1740 in Nassauischen geboren wurde, konnte sich im Alter von 53 Jahren noch gut an seine Kindheit erinnern. In seinem Roman „Das Heimweh“ beschrieb er den hell erleuchteten Lebensbaum mit vergoldeten Nüssen, zu dem das Kind in seiner Geschichte am Morgen des Christtages geführt wurde. Die wohl bedeutendste Erwähnung des Tannenbaums in der deutschen Literatur stammt von Johann Wolfgang von Goethe. In seinem Stück „Die Leiden des jungen Werthers“ von 1774, besucht der Protagonist am Sonntag vor Weihnachten die von ihm verehrte Lotte. Der Anblick eines „aufgeputzten Baumes“ mit Kerzenlichtern, Zuckerfiguren und Äpfeln versetzen ihn ins Staunen. Friedrich Schiller hat zwar in seinen Werken keine Weihnachtsatmosphäre geschildert, dennoch liebte er das Fest unter dem Baum. Aus diesem Grund schrieb er 1789 einen Brief, dass er zu Weihnachten nach Weimar kommen würde und hoffte, dass sie einen grünen Baum im Zimmer aufrichten würden. Das Märchen vom „Nussknacker und Mausekönig“ aus dem Jahre 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der lichterfunkelnde, mit goldenen Äpfeln und Bonbons dekorierte Tannenbaum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint. Dank der Literatur war es schließlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dieser Brauch schnell herumgesprochen hatte.

Weihnachtsbaum dekoriert mit Lichern und Geschenken

Da es in Mitteleuropa früher nicht so viele Tannenbäume gab, konnten sich diese nur die reiche Bevölkerung leisten. Die restlichen Einwohner mussten sich mit Zweigen und anfallendem Grün zufrieden geben. Erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts wurden vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt, sodass auch der städtische Bedarf gedeckt werden konnte. Große Teile des Waldes gehörten zu dieser Zeit der Kirche, die gegen das Plündern der Wälder drastisch vorging. Außerdem sahen die Katholiken eher die Krippen als ein aussagekräftiges Symbol dieses Festes an. Doch als endlich der Christbaum in evangelischen Kreisen ins Brauchtum übernommen wurde, begann der Weihnachtsbaum mit seinem Siegeszug. Ende des 19. Jahrhunderts konnte er sich schließlich auch in der katholischen Kirche in Deutschland und Österreich durchsetzen.

Der erste Weihnachtsbaum in Wien, wurde von einer ehemaligen Berlinerin, 1814 aufgestellt. Da in ihr Haus auch Vertreter des Hochadels ein und aus gingen, verbreitete sich dieser Brauch in nur wenigen Jahren in Österreich. Die niederösterreichische Landesregierung, verbot 1815 das Absägen und Ausgraben von Bäumen für den Gebrauch zu Kirchenfesten, Weihnachtsbräuchen und ähnlichem. 

Die ersten mundgeblasenen Christbaumkugeln schafften es 1830 auf den Markt, die sich vorerst allerdings nur die gehobene Gesellschaft leisten konnte. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr von den schönen und farbenfrohen Kugeln gefertigt und wurden somit auch bei der bürgerlichen Bevölkerung beliebt. Lametta dagegen kam erst circa 50 Jahre später und sollte symbolisch für die glitzernden Eiszapfen stehen.

Drei schöne Christbaumkugeln

1832 wurde in Cambridge (Massachusetts) von einem deutschstämmigen Harvard-Professor, der erste Weihnachtsbaum in Neuengland aufgestellt. Durch die Vermählung im Jahre 1840 der englischen Königin Viktoria mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, schaffte es der Christbaum bis nach London. Auch die Niederlande, Italien und Russland vor allem in Moskau und St. Petersburg, verdanken ihren Tannenbaum den Deutschen. Herzogin Helene von Orleans führte 1837 den Christbaum im Tuilerienpalast in Paris ein, zwei Jahrzehnte später wurden in Paris bereits 35 Tausend Bäume verkauft. Im Dezember 1982 schaffte es der immergrüne Baum auf den Petersplatz in der Vatikanstadt.

In Nordamerika verbreitete sich unser Weihnachtsbaum durch deutsche Auswanderer und Matrosen. Alte Amerikanische Zeitungen berichteten darüber, dass Gustav Körner die typisch deutsche Sitte des geschmückten und beleuchteten Christbaumes in den USA  eingeführt haben soll. Am Weißen Haus wurde 1891 der erste beleuchtete Baum aufgestellt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden dort bereits Weihnachtsbäume aus Eisen hergestellt und waren teilweise sogar schon mit Gas beleuchtet.

Im Land Österreich ist es in den letzten Jahrzehnten zum Brauch geworden, Tannenbäume an verschiedene Organisationen und Einrichtungen im Ausland als Präsente zu überreichen. Aus diesem Grund steht seit dem EU-Beitritt von Österreich ein Nadelbaum vor dem EU-Parlament in Brüssel. Außerdem wird jedes Jahr ein großer Weihnachtsbaum auf dem Hamburger Rathausmarkt aufgestellt, der ein Geschenk eines nordischen Staates an den Stadtstaat ist.

Tannenbaum auf dem Dresdner Striezelmarkt

In Deutschland gehört die Nordmanntanne zu einer der beliebtesten Sorten, auch die Blaufichte lässt unsere Herzen höher schlagen. Nur die Kiefer hat inzwischen stark an Bedeutung verloren.

Vielleicht kommt Ihnen wieder beim Aufstellen des Weihnachtsbaumes die lange Entwicklungsgeschichte unserer heimischen Tradition in den Sinn. Bis dahin wünschen wir Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest mit Ihrer Familie, einen fleißigen Weihnachtsmann sowie erholsame Feiertage.

Bis zum nächsten Mal.
Ihr DENQBAR Team